passen Bio-Verbände und Naturkosmetik zusammen

Passen Bio-Verbände und Naturkosmetik zusammen?

 

1995 wurde es in einem kleinen, unbekannten Verband, der damals schon 45 Jahre alt war (also keine Neugründung Ende der 90er Jahre wie manchmal behauptet) aktiv. Dort wollte sich ein Team-Neuzugang aktiv für das Überleben der mittel- und kleinständigen Kosmetik-Firmen einsetzen, weil ein neues Kosmetik-Gesetz, die 6. Änderungsrichtlinie, gerade eingeführt wurde und Überleben kleiner und mittelständischer Kosmetikfirmen schwer machte.
Um dem unbekannten Verband mit damals circa 20 Mitgliedern Stimme und Stärke zu verleihen, hat das neue Team-Mitglied in der Branche nach den drängendsten Problemen geforscht und es wurde ihm immer wieder als großes Problem der Naturkosmetik berichtet, dass viele Firmen konventionelle Kosmetik in grüne Dosen abfüllen und das dann Naturkosmetik bezeichnen.
Ein großer Teil der deutschen Naturkosmetikfirmen, unter Ihnen alle großen Marken, versprachen, sich dem kleinen Verband anzuschließen, wenn der kleine Verband dagegen eine Lösung bieten würde.
In der Sitzung im November 1997 hat das neue Teammitglied,  Dr. Brunke, dann sein Konzept der „kontrollierten Naturkosmetik“ vorgestellt, alle im Naturkosmetik-Einsatz befindlichen Rohstoffe gelistet und daraus die weltweit erste Naturkosmetik-Richtlinie (Norm/Standard) mit der weltweit ersten Positivliste entwickelt. Das Konzept ist für alle späteren Standard mehr oder weniger Vorbild gewesen.
Da ein Naturkosmetik-Standard weit über die Rohstoff-Definition hinausgeht, konnten Rohstoff-Zertifizierer wie Demeter, Bioland und andere  zunächst keinen gleichbedeutenden eigenen Standard nur für die speziellen Rohstoff-Qualifizierungen generieren. Um den Trend nicht zu verpassen, haben die Bio-Verbände eigene Standards ins Leben gerufen, die weit über die eigentlichen Belange der Lebensmittelbranche hinaus in den Bereich der CPR 1223-2009 gingen.
Die Branchen kommen zwar aus verschieden Tätigkeitsbereichen und resultierenden regulatorischen Rahmenbedingungen, sind aber sehr wohl eine Einheit, wenn es um Definition seriöser Naturkosmetik geht.
Da die Ansprüche an Rohstoffe bei Demeter anders sind als bei anderen Naturkosmetik-Richtlinien, ist Demeter wahrscheinlich deshalb nicht bei dem weltweit akzeptierten COSMOS integriert. Hier ist also keine Gemeinsamkeit.
Es genügt aber nicht, nur hohe Ansprüche an die Rohstoffe zu stellen: selbst Jean-Pierre Barrere/Unitis und Dr. Brunke mussten bei der Zielsetzung, den durch die vielen Nachahmer entstandenen Zeichenwirrwarr in 2007 durch die ISO-Definition zu beenden, erkennen, dass ein Rohstoff-Standard für ehrliche Naturkosmetik allein nicht ausreicht. Auch an die Rezeptur-Konzepte müssen eindeutige Anforderungen gestellt werden. Man kann nur insofern die Frage nach „Zusammenpassen von Bioverbänden und Naturkosmetik“ beantworten, dass Rohstoff-Definitionen ein wichtiger Teil der Naturkosmetik-Standards sind, aber als reine Rohstoff-Standards eben nur ein Teil und nicht äquivalent umfangreiche Alternativen.
Es gab damals schon lange die Verbände COSMED, Soil Association und ICEA mit vielen Mitgliedern, die sich mit den Branchenthemen beschäftigten. Der 45 Jahre alte BDIH wurde damals dann auch durch die zur Naturkosmetik-Problemlösung eingeladenen Firmen 1995 groß und bekannt.
Die anderen Verbände beschäftigten sich zwar schon lange mit anderen Branchenthemen, bekamen aber erst durch die vergeblichen Versuche, dort das BDIH-Zeichen zur Anwendung zu bringen, Appetit auf die wirtschaftlichen Vorteile, und sind dann auch auf den deutschen Trend „Naturkosmetik-Label“ aufgesprungen. Nach Mitgliederwillen sollte nämlich der BDIH-Geschäftsführer diese bereits lange bestehenden Verbände zur Nutzung der weltweit damals einzig existierenden Naturkosmetik-Richtlinie des BDIH gewinnen, um weltweit nur ein einziges Label zu haben. So hat der BDIH-Geschäftsführer zwareinen jungfräulichen markt ohne Wettbewerber vor sich gehabt und diesen Verbänden Naturkosmetik-Label schmackhaft gemacht, sie aber nicht zur Mitarbeit bewegen können. Die Verbände sind dann später mit ähnlichen Richtlinien nach gleichem Aufbau unter eigenem Namen aufgetreten.
NATRUE und ICADA sind Neugründungen: NATRUE war aber auch kein neuer Zusammenschluß der Hersteller, sondern die Abspaltung einer Gruppe aus dem BDIH wegen Kritik an der BDIH-Geschäftsführung (siehe oben). ICADA dagegen war kein Zusammenschluß der Hersteller für ein Naturkosmetik-Label, sondern wurde als Industrie-Verband für KMU-Ziele gegründet, weil die Beweggründe 1995 für die Mitarbeit beim BDIH wegen Fokussierung auf Lizengebühren-Arbeit zu kurz kamen und weiterhin ein durchsetzungsfähiger Verband zur Unterstützung von KMU gebraucht wurde. ICADA wurde also nicht als Lizenzgebühren-Verein gegründet, wie man am breiten Spektrum der Tätigkeiten hier ersehen kann. Das ICADA-Premium-Label hier ist daher auch nur eine der vielen Verbands-Service-Leistungen und wegen der vielen weiteren, moderneren Qualitätszeichen wie „clean products“ oder „bio active“ nicht der Verbandsmittelpunkt.
Die Rechte an der weltweit ersten Naturkosmetik-Norm scheinen dann seit 2008 nicht mehr bei den ursprünglichen Eigentümern, dem Verband und seinen Mitgliedern, zu liegen, sondern nun scheint eine Firma IONC GMBH (die GMBH-Eigentümer sind uns unbekannt) wirtschaftlicher Nutznießer zu sein.